AKTUELLES

Neuer Vorstand / Jutta Heckmanns Ehrenvorsitzende
13.04.2010

Neuer Vorstand / Jutta Heckmanns Ehrenvorsitzende / 8000 Besucher im Zellentrakt

Jahreshauptversammlung des Kuratoriums / Festakt 5 Jahre Gedenkstätte Zellentrakt

Von Christoph Laue

Am 13. April fand im Herforder Ratssaal die Jahreshauptversammlung des Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken statt. Nach dem Bericht der scheidenden Vorsitzenden Jutta Heckmanns und weiteren Formalien wie den Berichten des Schatzmeisters und der Kassenprüfer wurde einstimmig ein neuer Vorstand gewählt. Neuer 1. Vorsitzender ist der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Spanier, zur 1. Stellvertreterin wurde Miriam Söling gewählt. Weitere Mitglieder des nunmehr zehnköpfigen Vorstandes sind nun Friedel Böhse, Cornelis Holtkamp, Jochen Krössin, Christoph Laue, Swantje Meyer zur Heide, Beatrice Stresemann, Prof. Dr. Ernst Stresemann und Sonja Wehmeier.

Obwohl die Satzung diese Funktion nicht vorsieht, wurde Jutta Heckmanns, die als langjährige Vorsitzende schon den 1989 gegründeten Vorgängerverein "Kulturen in der Region" geleitet hatte und seit der Gründung des Kuratorium 1997 mit kurzer Unterbrechung auch hier dieses Amt wahrgenommen hat, per Akklamation zur Ehrenvorsitzenden bestimmt.

Im Anschluss an die Versammlung feierte das Kuratorium mit zahlreichen Gästen das fünfjährige Bestehen der Gedenkstätte Zellentrakt, die im April 2005 in Anwesenheit des damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Paul Spiegel, eröffnet wurde, der bei diesem Anlass auch die Schirmherrschaft übernahm.

Jutta Heckmanns berichtete über die erfolgreiche Arbeit mit elf Ausstellungen und etwa 8000 BesucherInnen in den Ausstellungen, davon etwa 50 % Schülerinnen und Schülern, dazu zahlreichen Einzelveranstaltungen mit weiterer großer Besucherresonanz. Insgesamt sei das Ziel, eine dauerhafte Stätte der aktiven und aktuellen Auseinandersetzung mit den schlimmsten Zeiten der Geschichte in Raum Herford zu installieren, mit großem Erfolg erreicht worden. Gerade der authentische Ort, die pädagogischen Angebote und die Darstellung mit Hilfe von persönlichen Schicksalen hätten bei vielen Besuchern tiefe Eindrücke hinterlassen, von denen auch die Einträge im Gästebuch zeugen. Natürlich bestehen Wünsche nach einem weiteren Ausbau und weiterer institutioneller Absicherung der Gedenkstätte, die als Nebenstelle des Stadtarchivs Herford ehrenamtlich vom Kuratorium getragen wird.

Bürgermeister Bruno Wollbrink bestätigte in seinem Grußwort die Bedeutung der Gedenkstätte, sicherte die dauerhafte Unterstützung durch die Stadt zu und lobte das ehrenamtliche Engagement des Kuratoriums, machte aber auch die notwendige institutionelle Anbindung an das Stadtarchiv deutlich.

Nach der Jahreshauptversammlung hatte der neue Vorsitzende von den Plänen des Kuratoriums berichtet: Die Zwangsarbeitsausstellung läuft noch bis zum 18. Juli 2010. Geplant sind eine Rekonstruktion der fehlenden Gefängnisgitter. Die nächste Ausstellung "Wir lebten in einer Oase des Friedens. Die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule" mit regionalbezogenen Erweiterungen wird ab September 2010 gezeigt. Die Bibliothek der Familie Elsbach wird demnächst wieder nach Herford zurückkehren und soll in würdigen Rahmen im Elsbach-Haus präsentiert werden. Fortgesetzt wird der interreligiöse Dialog mit Filmvorführungen in Synagoge, Moschee und Kirchen. Die Gedenktage 9. November und 27. Januar werden mit Veranstaltungen begleitet. Im Herbst wird Helga Kohne die bisher unbekannte Geschichte des "Blutraubs" (Waisenhauskindern in der UdSSR wurde gewaltsam Blut für verwundete Wehrmachtssoldaten abgezapft) präsentieren. Die Stolperstein Aktion wird mit der nächsten Verlegung im März 2011 und der Einbeziehung weitere Verfolgungsgruppen fortgesetzt. Margot Friedländer soll nochmals auch zu Lesungen in Schulen eingeladen werden. Die bewährten Kooperationen, u.a. mit der Jüdischen Gemeinde, MARTa und verschiedenen Arbeitskreisen wird fortgesetzt und die Internetpräsenz www.zellentrakt.de ausgebaut.

Der neugewählte Vorstand.

Der neugewählte Vorstand.
Von links: Cornelis Holtkamp, Swantje Meyer zur Heide, Sonja Wehmeier, Christoph Laue, Ehrenvorsitzende Jutta Heckmanns, 1. Vorsitzender Wolfgang Spanier, Jochen Krössin, 1. Stellvertreterin Miriam Söling. Nicht auf dem Foto: Friedel Böhse, Beatrice Stresemann, Prof. Dr. Ernst Stresemann.

Gedenkveranstaltung und Lesung
28.01.2010

Versuche, dein Leben zu machen

Margot Friedlander und Malin Schwerdtfeger

Wir laden herzlich ein zu

"Versuche, dein Leben zu machen"

Gedenkveranstaltung und Lesung zum Gedenktag
der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945

Mit Margot Friedlander

Donnerstag, 28. Januar 2010, 19.00 Uhr
MARTa Herford, Goebenstraße

Eintritt 8, ermäßigt 6 €

Am 28. Januar um 19.00 Uhr liest Margot Friedlander auf Einladung des Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken im MARTa Herford. Die 1921 in Berlin geborene Autorin und Holocaust-Überlebende lebt seit 1946 in New York und hat ihre Geschichte zusammen mit der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger aufgezeichnet.

Als die 21-jährige Margot Bendheim 1943 zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder die Flucht vor der Gestapo in Berlin vorbereiten will, erhält sie die Nachricht von der Verhaftung ihrer Mutter und ihres Bruders. Ihre Mutter hinterlässt ihr die Botschaft: "Versuche, dein Leben zu machen."

Dies ist auch der Titel ihres Buches. Die Tochter beschließt unterzutauchen. Fünfzehn Monate dauert das Leben im Untergrund. Dreimal entkommt sie der Gestapo nur um Haaresbreite. Im April 1944 geht sie jüdischen Fängern in die Falle, wird nach Theresienstadt deportiert und überlebt nur mit Glück. 1946 emigriert sie mit ihrem Mann in die USA. Ihr Leben wurde 2005 verfilmt.

Wir freuen uns sehr, sie als bedeutende Zeitzeugin in Herford begrüßen zu dürfen.

Vor der Lesung Gedenkworte zum 27. Januar von
Jutta Heckmanns (Vorsitzende des Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken)

Landrat Christian Manz und
Bürgermeister Bruno Wollbrink

Begleitprogramm zur Ausstellung: "Zwangsarbeit im Raum Herford"
27.03.2010

Zellentrakt Gedenkstätte - Geschichte

Samstag, 27. März, 16.00 Uhr, Gedenkstätte Zellentrakt

„Unerwünscht und vergessen“ Zwangsarbeiterinnen und
ihre Kinder im Zweiten Weltkrieg, Film

1.273 Kinder kamen im Zweiten Weltkrieg im Entbindungslager Holthausen für Zwangsarbeiterinnen zur Welt. Nicht einmal die Hälfte dieser Neugeborenen überlebte. Die Historikern Anne Roerkohl erzählt die Geschichte von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern in ihrem Film "Unerwünscht und Vergessen".

Begleitprogramm zur Ausstellung: "Zwangsarbeit im Raum Herford"
15.05.2010

Zellentrakt Gedenkstätte - Geschichte

Samstag, 15. Mai, 16.00 Uhr, Gedenkstätte Zellentrakt

„Das Heimweh des Walerjan Wróbel“, Film

Am 25. August 1942 wurde der Zwangsarbeiter Walerian Wróbel im Alter von 17 Jahren in Hamburg durch das Fallbeil hingerichtet. Die Geschichte Walerian Wróbels wurde 1990 von dem Regisseur Rolf Schübel verfilmt. Der Film lief auch in deutschen Kinos. Er gewann mit dem „Cinekid“ einen internationalen Jugendfilmpreis und wurde 1991 für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Ausstellung "Zwangsarbeit im Raum Herford"
18.09.2009 - 17.07.2010

Zellentrakt Gedenkstätte - Geschichte

Informationen über die Ausstellung

Über zehn Millionen Verschleppte und Kriegsgefangene schufteten für die deutsche (Kriegs-)Wirtschaft und in der Landwirtschaft. Alte, Junge, Männer, Frauen, oft 12- bis 15jährige Kinder transportierten die Deutschen aus ihrer Heimat ab, weg von der Strasse, vom Feld, dem Zuhause ins Ungewisse. Tausende starben an Hunger oder Krankheit oder wurden ermordet.

Auch im Kreis Herford waren zwischen 1939 und 1945 tausende Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter sowie Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten zwangsverpflichtet. In überschaubarer räumlicher Nähe dokumentierte sich für jeden sichtbar ein Stück nationalsozialistischer Herrschaft und Rasseideologie.

Für viele war es eine Reise ohne Rückkehr. Der Umgang mit den Fremden war im Kreis Herford, weder in den Betrieben, in der Landwirtschaft noch in der Verwaltung besser oder anders als sonst im Deutschen Reich. Menschenfreundliches, mutiges oder gar christliches Verhalten gab es, war aber absolute Seltenheit.

Einzelschicksale zeigen einen Leidensweg, der von der Verschleppung zur Arbeit, dem Weg in Konzentrations- oder Arbeitserziehungslager bis hin zum Tod oder der Ermordung reichte.

Die Gedenkstätte Zellentrakt ist ein authentischer Ort zu diesem Thema. In das ehemalige Herforder Polizeigefängnis lieferte die Polizei Zwangsarbeiterinnen und –arbeiter, wenn sie Widerstand übten oder flüchteten ein und vernahmen sie. Vor hier ging es für Viele in andere Lager. Einige hinterließen Spuren.

Die Ausstellung bewahrt das Erinnern, präsentiert neue Ergebnisse und Quellen zur örtlichen Zwangsarbeit und ist ein Beitrag zur Aussöhnung mit den Opfern. Vor allem jungen Menschen soll deutlich werden, dass es für die Geschichte des Nationalsozialismus niemals einen Schlussstrich geben darf.

Die Ausstellung ist vom 19. September 2009 bis 17. Juli 2010 in der Gedenkstätte Zellentrakt zu sehen.

  • Zur Ausstellung erscheint das HF-Magazin mit der erweiterten Ausgabe Nr. 70.
  • Führungen für Schulklassen und andere Gruppen nach Vereinbarung.
  • Für Schüler und Lehrer gibt es zum Besuch der Ausstellung ein Arbeitsblatt, das im Zellentrakt oder über diese Website (Arbeitsblatt folgt) erhältlich ist.


Begleitprogramm:

8. Oktober 2009, 18 Uhr, MARTa-Forum, Goebenstraße, Herford
“Eine Liebe in Deutschland”
Deutsch-französischer Spielfilm des polnischen Regisseurs Andrzej Warda aus dem Jahre 1983 nach dem gleichnamigen Roman von Rolf Hochhuth. Eintritt 4 € (inkl. Besuch der aktuellen Ausstellung im MARTa)
Einladungs-Flyer "Eine Liebe in Deutschland" (PDF)

14. November 2009, 16 Uhr, Zellentrakt
“Unerwünscht und vergessen”
Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder.
Dokumentarfilm von Anne Roerkohl, WDR/2000
Eintritt frei

12. Dezember 2009, 16 Uhr, Zellentrakt
“Efim, Antonia, Klawdia...”
Einzelschicksale in Lyrik und Prosa.
Lesung mit Helga Kohne und Schülern
Eintritt frei

Ausstellung, päd. Material und Begleitveranstaltungen: Helga Kohne, Christoph Laue, Michael Oldemeier und Schülerinnen und Schülern des Ravensberger Gymnasiums.
Gestaltung: Elke Brunegraf und Christoph Laue.


Aktuelle Presseberichte zu der Ausstellung finden Sie hier.

Aktuelle Veranstaltungen und Aktivitäten des Kuratoriums

Aktuelle Veranstaltungen und Aktivitäten des Kuratoriums finden Sie unter Kuratorium -> Aktuelles.

© 2005 - 2009  |  Kuratorium  |  Rathausplatz 1  |  D-32052 Herford  |  Telefon: 0 52 21 / 18 92 57  |  E-Mail: info@zellentrakt.de