Verschwommenes Bild einer Zelle

„Sonntags im Gespräch“

Zeitzeugengespräch mit Jürgen Dolata
Anna Dolata
Anna Dolata (Foto: Jürgen Dolata)
Sonntags im Gespräch - Zeitzeugengespräch mit Jürgen Dolata
Foto: Ute Pahmeyer

Eintritt frei
Um eine Spende wird gebeten

Im zweiten Teil unserer Veranstaltungsreihe „Sonntags im Gespräch“ begrüßen wir Jürgen Dolata in der Gedenkstätte Zellentrakt Herford.

Er berichtet über das Leben seiner Mutter Anna Dolata (geb. Schiefer), die als junge Frau zwischen 1941 und 1945 im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert war. Der Grund für ihre Verfolgung war eine Liebesbeziehung zu einem polnischen Mann. Jürgen Dolata hat gemeinsam mit seiner Mutter mehrfach die Gedenkstätte Ravensbrück besucht.

Die Veranstaltung ist verbunden mit einer themengeleiteten Führung durch die aktuelle Ausstellung „Herford gehört(e) dem Führer?“. In seinem Vortrag gibt er persönliche Einblicke in ihre Erfahrungen und spricht darüber, wie diese Erlebnisse das Leben seiner Mutter und die gesamte Familie nachhaltig geprägt haben, bis in die Gegenwart.

Im Anschluss laden wir zu einer offenen Gesprächsrunde ein. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.


Rückblick

Interessante Einblicke in das Leben von Jürgen Dolatas Mutter erhielten wir in diesem Gespräch am Sonntag. Die Bedingungen einer Beziehung zwischen einer Arbeitsdienst leistenden jungen Frau Anna Schiefer und einem verletzten Kriegsgefangenen aus Polen, Franz, wurden von den Nationalsozialisten verboten. Sie führten zur Inhaftierung ins Zuchthaus Bochum, monatelang - und zur Exekution des geliebten Mannes Franz, zu lebenslangen Schuldgefühlen von Anna Kiefer am Tod ihres Geliebten schuldig zu sein. Sie wollte nicht mehr leben. Aber dem Zuchthaus folgte das Konzentrationslager Ravensbrück für etwa drei Jahre mit einer Arbeit in der Kürschnerei, die nur von den jüngsten und gesundesten Inhaftierten überlebt wurde. Wenige Monate vor der Kapitulation wurde Anna Kiefer, schwerkrank, mit einer Zugfahrkarte nach Hause geschickt zurück in eine Heimat, die heftigst beschossen wurde.

Vorbehalte, Armut, Wegnahme des Opferstatus durch Behörden prägten die Zeit nach 1945. Es war ein langer schwerer Weg in die Normalität. Ihre Ehe mit dem polnischen Freund des ermordeten Franz, verursacht weiter Vorbehalte im Alltag, bei der Wohnungssuche, der Arbeitsvermittlung…. Jürgens Vater fuhr nie wieder zu seiner Herkunftsfamilie nach Polen, da zurückkehrende ehemalige Soldaten der Kollaboration bezichtigt und bestraft wurden.

Das waren Erfahrungen, die an den Kindern nicht spurlos vorbeigegangen sind. Noch heute wird nach Erklärungen für bestimmte Einstellungen, Verhaltensweisen gesucht.

Das Gespräch am Sonntag war eine Möglichkeit. Beim Besuch der Ausstellung erzählte eine Besucherin von ihrer Oma, die in den Zellen des Polizeigefängnisses Herford inhaftiert worden war. Sie war danach traumatisiert und psychisch krank zurückgekommen. Wie können wir bei der Recherche helfen?
Das Gespräch am Sonntag war für sie Motivation in der Familiengeschichte weiter zu forschen.

Trotz kleiner Runde waren die 2 Stunden am Sonntag wertvoll gestaltete Zeit. Danke an alle Beteiligten.

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