Verschwommenes Bild einer Zelle

Internationaler Holocaust Gedenktag der Sinti und Roma

Vortrag über die Anerkennung des NS-Völkermords
Portraitfoto von herrn Dr. Sebastian Lotto-Kusche in schwarz-weiß
Foto: © Dr. Sebastian Lotto-Kusche

Zum Internationalen Holocaust Gedenktag der Sinti und Roma:
Vortrag über die Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma in der Bundesrepublik bis 1990

In seinem Vortrag untersucht Dr. Sebastian Lotto-Kusche die diskursiven Kämpfe um die Anerkennung des NS-Völkermords an Sinti und Roma in der Bundesrepublik bis 1990. Dabei wird unter Anerkennung zweierlei verstanden: die Akzeptanz der Verbände der Sinti und Roma als legitime Gesprächspartner der Bundesregierung sowie die Bewertung der „NS-Zigeunerverfolgung‟ als „rassisch‟ motiviertes Verbrechen in Politik und Wissenschaft. Auf der Grundlage umfassenden Quellenmaterials von Bundesbehörden und politischen wie zivilgesellschaftlichen Akteuren entsteht eine Diskursgeschichte dieses langwierigen Anerkennungsprozesses. Sie zeigt, dass bis tief in die 1960er Jahre hinein ein durch und durch rassistisches Bild der nationalsozialistischen Politik gegen Sinti und Roma vorherrschte. Dieser Denkstil geriet in den 1970er Jahren mit der Rezeption von internationalen Forschungsarbeiten immer stärker unter Druck. Doch erst in den 1980er Jahren begann mit der Anerkennung der Sinti und Roma als Gesprächspartner durch Bundeskanzler Helmut Schmidt auch die Erforschung des NS-Massenverbrechens.


Sebastian Lotto-Kusche ist Postdoktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg. Er forscht zur Entwicklung der extremen Rechten, zur Geschichte von Sonder- und Hilfsschulen und zur Minderheitengeschichte. Promoviert wurde er 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Studie zur Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma in der Bundesrepublik. Gemeinsam mit Marc Buggeln hat er 2024 ein Grundlagenkonzept zur Aufarbeitung der "Zweiten Verfolgung" der Sinti und Roma in der Bundesrepublik vorgelegt.
 

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