Ein „Großbetrieb der Barmherzigkeit“ wollten die v. Bodelschwinghschen Anstalten nie sein. Doch hatten sie sich bis Ende der 1920er Jahre zu einer der größten Fürsorgeeinrichtungen in Deutschland entwickelt. Der Vortrag stellt ein Buch vor, dass anhand von Patientenakten eine Alltagsgeschichte der Menschen mit Epilepsie, mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen beschreibt.
Quantitative Angaben und Patientenschicksale während der Zeit des Nationalsozialismus stehen im Mittelpunkt Dabei werden Themen wie die Versorgung, der Pflege und der medizinischen Behandlung der in Bethel untergebrachten Menschen, die Hinwendung der Anstaltsvertreter zum Nationalsozialismus, die Beteiligung an Zwangssterilisationen, die Abwehrversuche gegen die „Euthanasie“ und die erhöhte Sterblichkeit im Krieg und in der Nachkriegszeit sowie der Umgang mit NS-Tätern gestreift
Uwe Kaminsky ist Historiker und hat seine Forschungsschwerpunkte in der Zeitgeschichte, Sozialgeschichte und Diakoniegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Er hat sich neben den Themen der Geschichte der Eugenik und der NS-„Euthanasie" wie der Missionsgeschichte besonders der Oral History und Debattenthemen wie der Aufklärung von Zwangsarbeit, der Erforschung der Schicksale von Heimkindern (u.a. Einsatz von Medikamenten) und der Erforschung sexualisierter Gewalt gewidmet.
Er betrieb von 2017 bis 2021 ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt zur Geschichte der Anstalt Bethel.
Anmeldung unter: info@zellentrakt.de

