Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und Vortrag: „Großbetrieb der Barmherzigkeit“. Bethel und seine Bewohner 1924 bis 1949
Am 9. September 2026 findet um 17 Uhr am Mahnmal am Deichtorwall beim Daniel-Pöppelmann-Haus/Städtischen Museum ein Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“ statt. Im Rahmen einer Blumenniederlegung und eines stillen Gedenkens spricht Landrat Mirco Schmidt ein Grußwort.
Im Anschluss stellt der Historiker Uwe Kaminsky um 18 Uhr im Seminarraum der Gedenkstätte Zellentrakt Herford sein Buch „Großbetrieb der Barmherzigkeit“. Bethel und seine Bewohner 1924 bis 1949 vor.
Die v. Bodelschwinghschen Anstalten wollten nie ein „Großbetrieb der Barmherzigkeit“ sein. Dennoch entwickelten sie sich bis Ende der 1920er Jahre zu einer der größten Fürsorgeeinrichtungen Deutschlands. Uwe Kaminsky stellt sein Buch vor, das anhand von Patientenakten eine Alltagsgeschichte der Menschen mit Epilepsie, Behinderungen und psychischen Erkrankungen beschreibt.
Quantitative Angaben und Patientenschicksale während der Zeit des Nationalsozialismus stehen im Mittelpunkt. Dabei werden Themen wie die Versorgung, die Pflege und die medizinische Behandlung der in Bethel untergebrachten Menschen, die Hinwendung der Anstaltsvertreter zum Nationalsozialismus, die Beteiligung an Zwangssterilisationen, die Abwehrversuche gegen die „Euthanasie“, die erhöhte Sterblichkeit während des Krieges und in der Nachkriegszeit sowie der Umgang mit NS-Tätern behandelt.
Uwe Kaminsky ist Historiker und hat seine Forschungsschwerpunkte in der Zeitgeschichte, Sozialgeschichte und Diakoniegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Er hat sich neben den Themen der Geschichte der Eugenik und der NS-„Euthanasie“ sowie der Missionsgeschichte besonders der Oral History und Debattenthemen wie der Aufklärung von Zwangsarbeit, der Erforschung der Schicksale von Heimkindern, unter anderem dem Einsatz von Medikamenten, und der Erforschung sexualisierter Gewalt gewidmet.
Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung unter info@zellentrakt.de wird gebeten.

