Am 8. November 2025 verlegt das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V. um 14:00 Uhr einen weiteren Stolperstein in Herford, diesmal an der Diebrocker Straße 49. Erstmals wird dort auf Wunsch und mit Unterstützung der Enkelin des zu Ehrenden am letzten selbstgewählten Wohnsitz vor der KZ-Haft ein „Überlebender“ der nationalsozialistischen Verfolgung geehrt.
August Schröder, geboren 1912, verweigerte 1941 die Arbeit in dem damals auf Rüstungsbetrieb umgestellten Betrieb Steuber & Lohmann (später SULO), wurde als „arbeitsunwillig“ und asozial stigmatisiert, in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert und kehrte nach seiner Befreiung nach Herford zurück. Aus seiner Wiedergutmachungsakte geht hervor, dass er nach der Haft stark körperlich beeinträchtigt und auf dem linken Auge so gut wie blind war. Nach dem Krieg durchlebte er schwierige Zeiten. Aus seiner Notlage wurde er in dieser Zeit mehrmals straffällig, unter anderem mit Essensdiebstählen, wie aus Akten dazu hervorgeht. Durch darauf folgende Haftstrafen wurden ihm die Bürgerrechte aberkannt, weshalb er nie eine Entschädigung vom Amt für Wiedergutmachung für seine KZ-Haft bekommen hat. Er gründete in Herford eine neue Familie, verlor mehrfach seinen Wohnsitz und lebte teilweise in Notunterkünften. Er entwickelte Verfolgungsgedanken und wurde psychisch krank. Aus seiner Krankenakte geht hervor, dass er Angst hatte, wieder ins KZ gebracht zu werden oder dass er und seine Familie zuhause vergast würden. August Schröder starb 1962 in der psychiatrischen Heilanstalt Gütersloh mit nur 49 Jahren.
Das Kuratorium hat sich ausführlich mit dem Schicksal Schröders beschäftigt und ist in der Gesamtwertung überzeugt, dass er als Opfer des NS-Regimes begründet mit einem Stolperstein öffentlich gewürdigt werden kann. Auch die Stadt Herford, die zusammen mit der Stadt die Verlegung der ersten Stolpersteine betrieben hatte, ist einverstanden. Ebenso hat Gunter Demnig, der künstlerische Initiator des Projektes, der Verlegung zu- und den Text mit dem Kuratorium abgestimmt. Erstmals wird aber von dem bisherigen Prinzip in Herford, nur in der NS-Zeit ermordete Opfer zu würdigen, abgewichen. Weitere begründete Anträge auf eine Verlegung von Stolpersteinen auch für „Überlebende“ sind natürlich - gerichtet an das Kuratorium - möglich.
Text des Steines:
HIER WOHNTE
AUGUST SCHRÖDER
JG. 1912
ARBEIT FÜR DIE RÜSTUNG
1941 VERWEIGERT
ALS ASOZIAL STIGMATISIERT
INHAFTIERT KZ NEUENGAMME
1942 KZ DACHAU
DEPORTIERT 1942 AUSCHWITZ
KZ FLOSSENBÜRG
BEFREIT / TOT AN DEN FOLGEN
Nach der Verlegung erhielt das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken von der Initiatorin des Gedenksteines, Frau Melanie Schröder aus Berlin nachfolgendes Dankschreiben. Sie bedankt sich für die Unterstützung bei der Verlegung des Gedenksteines und bittet um Mithilfe bei ihrer Suche nach mehr Informationen über Ihren Großvater August Schröder.
Anlaufstelle für Meldungen in dieser Sache ist das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken (info@kuratorium-herford.de) 05221 189 257
Berlin, 13. November ‘25
„Ich bedanke mich für die Anteilnahme bei der Stolperstein-Verlegung für meinen Großvater August Schröder an der Diebrocker Str. 49 in Herford. Ich möchte mich sehr herzlich bei allen Teilnehmer:innen der Stolperstein-Verlegung am vergangenen Samstag, 8. November 2025 in Herford bedanken. Ich hätte mit so viel Anteilnahme nicht gerechnet und war sehr berührt darüber, wie viele Menschen sich für das Schicksal meines Großvaters interessiert haben. Vielen Dank dafür!
Mein besonderer Dank gilt allen, die dieses Mahnmal möglich gemacht haben, insbesondere Joachim Jennrich und Christoph Laue, sowie Friedel Böhse (der den Stein verlegt hat) vom Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V. in Herford und dem Künstler und Urheber des Projekts Stolpersteine, Gunter Demnig.
Mein Dank im Voraus gilt außerdem denjenigen, deren Namen ich leider nicht kenne, die die Stolpersteine in Herford regelmäßig putzen. Da ich das von meinem Wohnsitz aus in Berlin nur schwer erledigen kann, bin ich sehr dankbar, dass sich jemand vor Ort um den Stein kümmert.
Ich würde gerne noch mehr erfahren, daher die Frage: Wer kannte meinen Großvater und kann etwas von ihm erzählen? Zufälligerweise habe ich am Tag der Stolperstein-Verlegung bereits jemanden getroffen, der meinen Großvater persönlich kannte und mir noch einiges erzählen konnte, das in meiner Familie unbekannt war, da auch bei uns, wie in vielen deutschen Familien über die Nazi-Zeit geschwiegen wurde und das teilweise noch immer der Fall ist. So suche ich beispielsweise bis heute die in den Akten der Verfolger meines Großvater erwähnte drei Kinder , die er bereits vor der KZ-Haft hatte und uns bis heute unbekannt sind. Auch über diese würde ich gerne mehr erfahren, was in öffentlichen Archiven leider aus Datenschutzgründen kaum ermittelt werden kann. Wer etwas über diese drei Kinder weiß, möge sich bitte über das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken bei mir melden! Selbige Bitte geht an diejenigen, die meinen Großvater persönlich gekannt haben oder jemanden kennen, der ihn gekannt haben könnte.
Vielen herzlichen Dank im Voraus für Ihre Mithilfe!
Melanie Schröder










